Alptraum Kind - Postpartale Depression: Wenn der Babyblues zur Krankheit wird

Marina Hartmann lebte in einer heilen Welt. Sie hatte einen sicheren Job, einen lieben Mann und ein schönes Zuhause. Ein Kind sollte das Glück perfekt machen. Doch es kam anders. Nach der Geburt fühlte sie sich „auf einem Höllentrip, den man dem schlimmsten Feind nicht wünscht“

Vor der Schwangerschaft verlief das Leben der Bankangestellten nach Plan. Das Kind brachte alles durcheinander. Die Mittdreißigerin aß und schlief nicht mehr. Eine Hüftgelenksblockierung verursachte unerträgliche Schmerzen. Sie funktionierte nur noch wie ferngesteuert. Mechanisch versorgte sie ein Kind, das nicht ihr eigenes zu sein schien. Am liebsten hätte sie es irgendwo abgegeben.
Freunde und Bekannte reagierten mit Unverständnis: „Du hast doch alles“, hörte sie immer wieder. Selbst die Ärzte, bei denen sie weinend in der Praxis saß, begriffen nicht, was mit ihr los war. Am Ende war sie so erschöpft, dass sie im Stehen einschlief und nur noch einen Wunsch hatte: Nicht mehr aufzu- wachen. Sie wurde in die Psychiatrie eingeliefert. Die Diagnose: Postpartale Depression, eine Depression, die nach der Geburt auftritt.
„Alle dachten, es wäre nur der Babyblues“, sagt Juliane Peters*. Doch ihr Traum vom Kind war längst zum Alptraum geworden. Jedes Mal, wenn die Chefsekretärin ihr „absolutes Wunschkind“ fütterte, musste sie sich über- geben. Weinen wurde für die bis dahin so lebenslustige 28-Jährige zum Dauerzustand. Als der Notarzt sie schließlich in die Psychiatrie brachte, hatte sie nur eine Angst: „Wenn du jetzt in die Klapse gehst, nehmen sie dir das Kind weg.“
(Quelle: Journal – Das Wochenend-Magazin der Rhein Main Presse: von Daniela Noack)

Zeitungsartikel: Download