Frankfurter Wirksamkeitsstudie zur Psychotherapie bei ADHS

Analytische Kinder- und Jugendlichen Psychotherapie (2014): Themenheft zur Frankfurter Wirksamkeitsstudie zur Psychotherapie bei ADHS

Der Newsletter beschäftigt sich in diesem Monat mit den zentralen Ergebnissen der Frankfurter Wirksamkeitsstudie zu psychotherapeutischen Behandlungsformen bei ADHS. Im Fokus der Studie, die mit 73 Kindern im Alter zwischen 6 und 11 Jahren mit der Diagnose ADHS und/oder Störung des Sozialverhaltens durchgeführt wurde, steht insbesondere die Wirksamkeit der sog. psychoanalytischen Kindertherapie (PSA) im Vergleich zur verhaltenstherapeutisch/medikamentösen Behandlung (VT/M).

Die zentralen Ergebnisse zeigen, dass eine PSA (ohne Medikation) ebenso eine signifikante Reduktion von störungsspezifischen Symptomen aufweist wie die Kombination aus verhaltenstherapeutischer und medikamentöser Behandlung sich aus Eltern- und Lehrerperspektive durch eine PSA signifikante Verbesserungen im ADHS-Index ergeben und die subjektiv eingeschätzte Lebensqualität der Kinder steigt in einigen Fällen der psychoanalytische Ansatz kurzfristiger ausfiel als verhaltenstherapeutisch-medikamentöse Behandlungsformen (25,9 Monate vs. 29,6 Monate) und sich Hinweise darauf zeigen, dass in der Gesamtschau die PSA im Vergleich zu VT/M-Behandlungen geringere Kosten verursacht die am häufigsten aufgetretenen Risikofaktoren prä-, peri- und postnatale Stressoren darstellen (u.a. Alleinelternschaft, chronisch belastetes Familienklima, häusliche Gewalt, psychische Erkrankung eines Elternteils und ungeschützte Migrationserfahrungen).
30 von 73 Kinder aus dem Untersuchungssample ohne väterliches Gegenüber aufwuchsen und insbesondere Alleinerziehung für Kinder ein signifikantes Leidensmoment und eine Belastung darstellt, die die Fähigkeit zur Symbolisierung und des Denkens beeinträchtigt. ADHS-typische Symptome wie Unruhe, Konzentrationsschwäche, Frustrationsintoleranz und Aggressivität in sehr unterschiedliche psychosoziale und lebensgeschichtliche Bedingungen eingebettet sind. Veränderungsprozesse während der PSA mit positiven Effekten hinsichtlich eines altersgerechten Entwicklungsanschluss und Intelligenzentwicklung einhergingen.
Damit  – so die Autoren in der Einschätzung der Ergebnisse – sei ein erster Nachweis erbracht, dass die analytische Kinderpsychotherapie eine Alternative zur häufig langjährigen Verabreichung von Medikamenten (Psychostimulanzien) darstelle (S. 568).
(Quelle: Analytische Kinder- und Jugendlichen Psychotherapie 164 (4), Frankfurt am Main: Brandes & Apsel, 419-589. Zusammengefasst von: Marcus Haselhofer)

Inhaltsverzeichnis der Studie:  Download