Liebeserklärungen an Kinder sind wichtig – vom ersten Tag an und auch später "Mein geliebtes Kind"

„Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich Gefallen gefunden.“ Diese Liebeserklärung seines Vaters hört Jesus bei seiner Taufe am Jordan, erzählt Markus. Was macht das mit einem jungen Menschen? Und was macht es mit ihm, so etwas nie zu hören?

Christoph Moormann ist Schulseelsorger. Er kümmert sich um elf Schulen im westfälischen Ibbenbüren, berät Lehrer, Schüler und Eltern. Er weiß, was Liebe ausmacht. „Da ist zum Beispiel dieser 15-Jährige, der Probleme hat, die Klasse zu schaffen“, erzählt er. Öfter mal geschwänzt habe er und sei leistungsmäßig abgerutscht. Den Jungen hatte Moormann in der Beratung, auch mit den Eltern gab es Gespräche. „‚Ich glaub daran, dass mein Sohn das schafft‘“, hat der Vater mir gesagt. Und ich habe gefragt: ‚Haben Sie ihm das mal gesagt?‘“ Hatte der Vater nicht, aber kam ins Grübeln. „Später besuchte mich der Sohn und erzählte, der Vater habe im Auto, ganz nebenbei, gesagt: ‚Was ich dir sagen wollte: Ich glaub an dich!‘ Der Junge konnte es kaum fassen!“

Ich glaube an dich. Ich liebe dich. Ganz ohne Erfolgskontrolle. Du bist mein geliebtes Kind. Für den Kinder- und Jugendpsychiater Karl Heinz Brisch ist dies die wichtigste Lebenserfahrung überhaupt. Eine „sichere Bindung“, so nennt er das, sei ein „Schutzfaktor“ für das ganze Leben. Aber wie entsteht diese „sichere Bindung“? Indem man Babys liebt, meint Brisch, und, ja, indem man sie verwöhnt. „Die   Angst, das Baby zu verwöhnen, ist typisch deutsch“, sagt er in der Zeitschrift „Psychologie heute“. „Deutsche Eltern sind sehr darum besorgt, ihre Babys früh zur Frustrationstoleranz zu erziehen.“ Zum Beispiel beim Schlafen. So gibt es den Rat, ein sattes und gewickeltes Baby die Nacht über im Kinderzimmer zu lassen, auch wenn es schreit. „Die Babys haben drei oder vier Nächte wie am Spieß gebrüllt und schließlich aufgehört. Sie haben gelernt, es ist zwecklos.“

Hilfreich, um Vertrauen aufzubauen, ist das nicht. Und das selbst gelernte Verhalten wird oft auf die eigenen Kinder übertragen. Der Schulseelsorger Moormann engagiert sich deshalb in Kursen für werdende Eltern. „Ich habe da die jungen Männer sitzen und frage: ‚Welche Vorbilder habt ihr? Wie habt ihr euren Vater erlebt?‘“ Und dann stellt sich heraus, dass die Hälfte der Männer den Satz „Ich liebe dich!“ von ihrem Vater nie gehört haben.  „Ich ermutige sie dann, mit ihrem Vater darüber zu reden. Manche machen es und erzählen davon. Das sind dann ganz berührende Momente.“ Denn es sei durchaus Prägungen der Kindheit seien durchaus veränderbar. „Wenn ich mir bewusstmache, was mir selbst gefehlt hat, kann ich überlegen, was ich bei meinem eigenen Kind anders machen will.“

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