Mutters Liebe

Am Muttertag schellt bei Müttern das Liebeshormon Oxytocin in die Höhe. Das ist gut so, Kinder brauchen das.

Ein zerknautschter Blumernstrauss aus dem Garten. Ein farbiges Bild, liebevoll gezeichnet und in einen Bemalten Holzrahmen gesteckt. Und aufgeregte Kinder, die vor dem Elternschlafzimmer so lange tuscheln und kichtern, bis ihre Mutter aufwacht und sie endlich ihre Bescherung überreichen können: Es ist wieder Muttertag.
Würde man Puls und Blutdruck der Mütter in jenem Moment messen. in dem sie weiche Umarmungen und nasse Küsse bekommen, würde sich bei den meisten ein erhöhter Wert zeigen. Und ein stark erhöhter Oxytocinspiegel. „Dieses Hormon spielt eine wichtige Rolle in Bindungsprozessen zwischen Mutter und Kind“, erklärt Margarete Bolten, Professorin für Entwicklungspsychologie der Katholischen Universität Mailand. Oxytocin sei sogar in der Lage, Stresshormone herunterzuregulieren, worauf der Körper weniger Stressreaktionen zeige.  „Und das“, sagt Bolten, „macht Sinn, da Mütter bekanntermassen eine ziemlich Stressresistenz benötigen“. […]

Auch Frauen mit einer postpartalen Depression können oft keine Freude über das kleine Wesen empfinden. „Darunter leiden immerhin 15 Prozent aller Mütter nach der Geburt“, sagt Karl Heinz Brisch, Bindungsforscher und Leiter der Abteilung Pädiatrische Psychotherapie am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Münchner Ludwigs-Maximilians-Universität. Die Oxytocinausschüttung während der Geburt genügt nicht: „Sie schaffen es oft kaum aufzustehen und haben keine Kraft, für ihr Kind zu sorgen und eine Beziehung aufzubauen“

Damit die Mutterliebe wieder Platz bekommt, sagt Brisch, muss man zuerst Depressionen behandeln und belastende Situationen wie Partnerschaftsprobleme lösen. „Begleiten und Entlasten ist ganz wichtig. Wenn der Druck weg ist, hilft das automatisch, die Mutter-Kind-Beziehung zu verbessern.“ In seinem Präventionsprogramm „SAFE – Sichere Ausbildung für Eltern“ spielt er den Müttern beispielsweise Videoaufnahmen ab, die sie bei geglückten Interaktionen mit ihrem eigenen Baby zeigen. „Das wirkt stärkend und hilft ihnen, positive Gefühle und Selbstsicherheit zu entwickeln und eine sichere Bindung aufzubauen“
(Quelle: Schweiz am Sonntag, Nr. 19, 10.05.15, von Claudia Weiss)

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