Bindung - Auf den Anfang kommt es an

Sichere Bindung und Liebe brauchen Kinder ebenso wie die Luft zum Atmen. Wie es Eltern gelingen kann, eine gute Bindung zu ihrem Kind aufzubauen, sagt der Psychotherapeut Karl Heinz Brisch. Der Arzt hat das Präventionsprogramm SAFE, sichere Aufbildung für Eltern, entwickelt

Herr Prof. Brisch, was genau bedeutet Bindung eigentlich?

Ich zitiere gerne den britischen Bindungsforscher John Bowlby. Für den Begründer der Bindungstheorie ist Bindung „ein unsichtbares, emotionales Band, das zwei Menschen sehr spezifisch und über Raum und Zeit miteinander verbindet.“ Bei Kindern kann man das gut beobachte: Geht die Mutter als wichtige Bindungsperson weg, wird schnell sichtbar, wie sich dieses Band spannt. Das kleine Kind läuft hinterher, als wäre es durch ein unsichtbares Band mit seiner Mutter verbunden.

 

Was braucht denn ein Mensch, um sich sicher und geborgen zu fühlen?

Die Forschung hat inzwischen sehr genaue Informationen über die überlebenswichtigen Grundbedürfnisse des Menschen. Dazu zählt die Befriedigung der physionlogischen Bedürfnisse wie Essen, Trinken und Schlafen. Dazu kommen Aspekte wie Bindung und Exploration. Ein Kind muss die Welt entdecken können und mit positiv stimulierenden Reizen konfrontiert werden. Es braucht sensorische Stimulation und das Gefühl von Selbstwirksamkeit, dass es in dieser Welt selbst etwas bewirken kann. Das ist für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes ganz entscheidend. Ein anderes wichtiges Grundbedürfniss ist die Vermeidung von negativen Reizen: Schmerzen, alles was zu laut, zu kalt, zu warm, zu nass ist. Ein Kind braucht unbedingt eine Umgebung, in der keine negativen Reize da sind, damit es sich wohl und geborgen fühlen kann. Erst wenn diese Grundbedürfnisse abgedeckt sind, kann Bindung entstehen.
(Quelle: Hebammenforum, 04/2010, Interview: Katharina Sieckmann, Fotos: Barbara von Woellwarth)

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