Gucken, wie Hannah wächst

Babywatching ist ein pädagogisches Instrument. Es soll jungen Menschen helfen, einen besseren Zugang zu ihren Gefühlen zu finden. Ein Beispiel mit zwei Mädchen aus Aachen, die in einem Kinderheim bei Euskirchen leben.

Hannah ist der Star der Runde. Das zehnmonatige Baby sitzt auf einer Decke und schaut zu seiner Mutter Eva herüber, die neben ihm sitzt. Ist hier alles okay, scheint sein Blick zu fragen. Darf ich einfach spielen oder muss ich vorsichtig sein? Mama Eva schaut es freundlich an, nickt fast unmerklich und reicht ihm eine Babyrassel. Sofort entspannen sich Hannahs Gesichtszüge, und sie beginnt zu spielen. Die beiden sind ein eingespieltes Team, ihre Kommunikation verläuft oft noch ohne Worte, ist trotzdem vielsagend und auch für andere leicht zu verstehen. Um Hannah und Eva herum sitzen zwei Kinder, die alles, was die beiden tun, sehr genau beobachten. Jessica und Sarina (die Namen sind geändert, Anmerkung der Redaktion) sind acht und elf Jahre alt, sie kommen ursprünglich aus Aachen und leben seit einiger Zeit in einem sehr kleinen, sehr persönlich geführten Kinderheim im Kreis Euskirchen. Neben ihnen sitzt jeweils ein Erwachsener, ihr Betreuer und ihre engste Bezugsperson. Aber eben nicht Mutter oder Vater. Außerdem ist noch Kathrin Kraus, Mitarbeiterin am Institut für Traumapädagogik in Mechernich, mit im Raum. Sie beobachtet abwechselnd das Mutter-Kind-Team und die beiden zuschauenden Mädchen. Hannah ist noch ein bisschen unsicher, dem Baby scheint bewusst zu sein, dass es der Mittelpunkt des Geschehens ist. Immer wieder sucht es den Blick- oder Körperkontakt zu seiner Mutter. „Was macht Hannah jetzt?“, fragt die Erzieherin Kathrin Kraus die beiden Mädchen: „Sie schmust mit der Mama“, sagt Jessica. „Warum macht sie das?“, fragt Kathrin Kraus. Und Sarina antwortet: „Weil sie eine Schmusebacke ist.“ „Und vielleicht, weil sie noch ein bisschen aufgeregt ist und sich sicher fühlen will“, fügt die achtjährige Jessica hinzu.
(Quelle: Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten)

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