Karl Heinz Brisch ist Lehrstuhlinhaber des Instituts für Early Life Care der Paracelsus Universität in Salzburg. Im Interview erklärt er, warum die Phase am Lebensbeginn das Fundament für das ganze Leben legt, wie Frühe Hilfen die Bindung zwischen Eltern und Kind unterstützen und welchen Forschungsfragen er sich widmet.

ParacelsusToday: Herr Prof. Brisch, was kann man sich unter der Thematik „Early Life Care“ vorstellen?

Karl Heinz Brisch: Der Lebensanfang ist entscheidend für den Rest des Lebens und legt das Fundament für die Entwicklung eines Menschenkindes. Wenig ist festgelegt, die Umwelterfahrungen aktivieren spezifische Gene und prägen ganz entscheidend die Gehirnentwicklung und damit das weitere Leben. Kinder mit einer sicheren Bindung, dem „Urvertrauen“, haben die Ressourcen, um sich körperlich, seelisch und sozial gesund zu entwickeln. Man weiß aus Studien, dass Bindungssicherheit langfristig Auswirkungen auf die Empathiefähigkeit der Kinder und damit auf die emotionale Entwicklung ihrer Persönlichkeit hat. Bindungssicherheit und Empathie sind essenzielle Grundlagen, um zwischenmenschliche Beziehungen befriedigend leben zu können.Diese Erkenntnisse beeinflussen unsere Ansätze zu Prävention, Frühen Hilfen und Interventionen.

ParacelsusToday: Was sind die Ursachen für den Verlust der Bindungssicherheit?

Karl Heinz Brisch: Bindungsstörungen entstehen ursächlich durch multiple unverarbeitete Traumatisierungen von Kindern durch Bindungspersonen, etwa durch massive Vernachlässigung, emotionale Gewalt, häufig wechselnde Bezugssysteme, mehrmaligem Verlust von Bezugspersonen, sexuelle und körperliche Gewalt. Psychotherapie von derartig traumatisierten Kindern ist möglich, aber sehr zeitaufwändig, um neue Beziehungserfahrungen zu verankern und Verhaltensweisen zu verändern. Prävention und frühzeitige Intervention sind wichtige Ansätze, um die körperliche und seelische Entwicklung von Kindern zu unterstützen.
(Quelle: ParacelsusToday 1/2017, Interview: Sabine Ritzinger)

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