Mit Babys gegen das Vergessen: Jeden Montag ist im Seniorenheim in Voerde die neun Monate alte Luise zu Besuch. Sie soll die Damen dort an ihre eigenen Kinder erinnern – und so dabei helfen, dass ihnen die Gegenwart nicht entgleitet.

„Hallo Luise, wir winken Dir zu …“

Wenn Verena Scholten mit ihrer neun Monate alten Tochter Luise den Raum betritt, wird das Baby mit einem Willkommenslied begrüßt. Die sieben Damen im Alter zwischen 76 und 96 Jahren warten schon sehnsüchtig auf ihren Sonnenschein.

„Guten Morgen Luise!“

Luise strahlt mit großen Augen in die Runde. Sie fühlt sich offenbar sehr wohl im Mittelpunkt. In der nun folgenden halben Stunde schauen die Seniorinnen Luise beim spielen mit ihrer Mama zu. Das Baby sitzt auf einer himmelblauen Decke, spricht Herz und Seele der Damen an, die drumherum auf Stühlen Platz genommen haben. Luise spielt mit Förmchen, klatscht in die Hände zieht sich an den Stuhlbeinen hoch.

„Fein machst Du das.“

„Luise macht Musik.“

Seit einem guten halben Jahr ist Baby Luise jeden Montagmorgen zu Gast im Seniorenheim. Für die Damen, die alle leicht dement sind, ein wunderbarer Termin. Denn die Beobachtung des kleinen Mädchens weckt positive Gefühle. Und die Seniorinnen fragen auch bei der Mutter nach:

„Wie macht se sich denn beim Schwimmen jetzt, wird dat immer besser?“

„Ja, Schwimmkurs hat se jetzt fertig den ersten, aber Luise klettert auch schon auf so Matten auf’m Wasser und damit se keine Angst vorm Schwimmen hat, doch, das macht sie sehr gut.“

 

Das Gedächtnis wird angeregt 

Unterstützt wird die Gruppe von Gesprächsleiter Willi Schoelen. Der katholische Priester ist seit einigen Jahren im Ruhestand und hat große Freude an der Arbeit mit den älteren Damen. Zwischendurch streut Schoelen immer mal Fragen zu Luise ein:

„Stellen Sie schon mal fest, was jetzt anders geworden ist?“

„Ja, Haare, viel mehr Haare.“

„Sie hat dicke Bäckchen gekriegt.“

„Und so schön rosig, nicht.“

Dadurch wird das Gedächtnis der dementen Frauen angeregt. Und das Beobachten von Luise setzt noch etwas anderes in Gang: Die Frauen erinnern sich an ihre eigene Kindheit und an ihr Elternsein.
(Quelle: Deutschland Radio Kultur, vom 05.12.16, von Thomas Kalus) 

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